Fabio Andina : Tage mit Felice

Rahel, 11. November 2020

Es ist nicht viel los im Bleniotal. Vom Ich-Erzähler erfährt man nicht viel. Er hat als Kind viel Zeit im Tessin verbracht und aus diesem Grund kehrt er zurück. Mit seinem 90jährigen Nachbarn verbringt er viel Zeit und beschreibt tagebuchartig das Leben von Felice (auf Italienisch ‘Der Glückliche’).  ‘Die einzigen Wahrheiten sind Geburt und Tod’ sagt Felice einmal. ‘Dazwischen ist der ganze Rest’. Braucht es für Zufriedenheit das hektische Stadtleben oder Internet – oder reicht es ohne Aufregung den alltäglichen Arbeiten nachzugehen?

Fabio Andina ist im Tessin aufgewachsen und lebt im Malcantone. Er beschreibt wunderbar, lebendig und bildhaft eine unspektakuläre Geschichte über die einfachen Dinge im Leben.

Schweiz Tessin, Schweizer Autor

Richard Russo : Jenseits der Erwartungen

Karin, 11. November 2020

Martha's Vineyard, 2015 - Nach Jahrzehnten treffen sie sich wieder, Lincoln, Teddy und Mickey. Am College waren sie ein eingeschworenes Trio, nun sind alle längst ihrer Wege gegangen. Doch keiner hat je die Frau vergessen, in die sie damals alle hoffnungslos verliebt waren: Jacy Calloway. Eines Tages verschwand sie spurlos an ebendiesem Ort. Und so wird die Wiederbegegnung überschattet von der alles entscheidenden Frage, was damals wirklich geschah.

Richard Russo (Pulitzer-Preisträger) macht aus diesem Verschwinden ein Kriminalfall und liefert nebenbei wirtschaftliche und politische Innenansichten der aktuellen amerikanischen Gesellschaft.

Ein vielschichtiger, spannender Roman der gemütlich anfängt, dann fahrt aufnimmt und zum Schluss geradezu atemlos macht.

USA, Gesellschaft, Freundschaft, Mann

Dennis Lehane : Gone Baby gone

Rahel, 10. November 2020

Die 4jährige Amanda wird entführt. Die Mutter ist drogenabhängig und kann sich an nichts erinnern. Dafür engagieren die Tante und der Onkel Kenzie & Gennaro. Sie haben den Ruf jeden Vermissten zu finden.

Die Spuren führen ins Drogen- und Pädophilenmilieu und falsche Fährten führen die beiden zu noch weiteren ungelösten Fällen. Die beiden Ermittler müssen sich entscheiden: für Recht und Gesetz oder für ihre Menschlichkeit.

 

Man stellt sich die Frage, ob das Beste für die Kinder immer nur die Eltern bieten können? Für diesen packenden Roman braucht man gute Nerven, er öffnet die Grenzen zwischen Gut und Böse und richtig und falsch. 

Gone Baby Gone’ wurde bereits 2007 unter der Regie von Ben Affleck verfilmt.

Krimi

Jane Gardam : Robinsons Tochter

Ursula, 07. November 2020

Wer Jane Gardam von ihrer Trilogie „Ein untadeliger Mann /Eine treue Frau /Letzte Freunde“ her kennt, weiss um ihren feinen, einfühlsamen Schreibstil. Sie schafft es, das Bild vom gelben Haus Oversands, das wortwörtlich immer mit Sand überspült zu sein scheint, bis ins Detail zu zeichnen. Wir begleiten Polly Flint durch ihr eigenwilliges Leben. Aufwachsend in einem grossen Haus, bei zwei Tanten. Pollys Liebe zur Robinson Crusoe Geschichte begleitet sie auf ihrem Lebensweg, wird zeitweise fast zur Obsession. Übrigens ein guter Grund, gleich ein weiteres Buch, nämlich ebendiesen Robinson Crusoe, auch wieder einmal zu lesen. Jane Gardam schafft es, ein eigenes Bild der Zeit Anfang des 20ten Jahrhunderts zu schaffen. Der Krieg scheint weit weg und ist trotzdem so nah, um alle Beteiligten auf verschiedenen Ebenen zu treffen.

Entwicklungsroman, Grossbritannien England

Soren Sveistrup : Der Kastanienmann

Rahel, 4. November 2020

Der Titel verdient den Namen Nr. 1-Bestseller aus Dänemark. Wer die TV-Serie ‘The Killing/Kommissarin Lund’ bereits kennt, weiss wie packend der Autor seine Thriller aufbaut.

Naia Thulin und Mark Hess sind in Kopenhagen gemeinsam auf der Spur grausame Mordfälle an jungen Frauen aufzudecken. Am Tatort werden jeweils gebastelte Figuren aus Kastanien gefunden. Die Kastanienmännchen tragen den Fingerabdruck eines Mädchens, das ein Jahr zuvor verschwunden ist.

Von einem durchdachten Plot mit vielen Wendungen und Nebengeschichten bietet dieses Debüt alles was einen hervorragenden Thriller ausmacht.

Fazit: Ein Muss für alle Thrillerfans

Thriller

Robert Seethaler : Der letzte Satz

Karin, 3. November 2020

Es ist das Frühjahr 1911. Gustav Mahler sitzt in warme Decken eingehüllt auf dem Deck eines Schiffes, das von Amerika nach Europa unterwegs ist, und blickt auf den Atlantik. Es ist seine letzte Reise.

Während der Schiffsjunge ihn umsorgt, lässt er sein Leben Revue passieren: seine Konflikte als Wiener Hofoperndirektor, das antisemitische Klima der Stadt, der Sommer in den Bergen, den Tod von Töchterchen Maria und die schwierige Ehe mit Alma.

Seethaler erzählt packend und einfühlsam. In einer klaren Sprache wechseln lebensnahe Dialoge und philosophische Betrachtungen.

Dem Schiffsjungen erklärt Mahler: «Über Musik kann man nicht reden». Ich habe während dem Lesen Mahlers 9. Sinfonie gehört, und hatte oft das Gefühl neben ihm an Deck zu sitzen.

Biografisches Gustav Mahler, Musik, Mann

 

Nick Hornby : Just like you

Rahel, 3. November 2020

Lucy ist 42 Jahre alt, Lehrerin, weiss und lebt in London, getrennt von ihrem alkoholsüchtigen Ehemann. Joseph ist 20 Jahre jünger, schwarz und ist noch auf der Suche nach sich selbst. Sie beide verbindet eigentlich nichts Gemeinsames und doch ist da ein Interesse füreinander vorhanden.

Als Leser nimmt man am Leben und an den Wünschen der beiden teil. Lucys Söhne stehen einer Beziehung nicht im Wege, sie wünschen sich diese sogar. Der Autor versteht es mit trockenem Humor, die Themen wie Altersunterschied zwischen Paaren, Rassismus und Brexit in einem gut lesbaren Roman zu verpacken. Der Wechsel der Ansichten der Haupt- sowie der Nebenprotagonisten gestalten das Lesen abwechslungsreich.

Hauptthema ist der Altersunterschied zwischen Lucy und Joseph. Für die beiden ist das kein grosses Problem.

 

Just like you – oder hat die Liebe auch eine Berechtigung, wenn der Partner mit seinen Interessen und Eigenschaften auf den ersten Blick genau das Gegenteil von sich selbst ist?

Liebe, Gesellschaft, Grossbritanien

Marie-Hélène Lafon : Die Annonce

Ursula, 3. November 2020

Bauer sucht Frau einmal ganz anders. Paul möchte nicht wie die alten Männer im Dorf enden. Annette möchte aus ihrem Leben entfliehen und ihrem Sohn eine gute Startchance ins Leben bieten. Eine Annonce wird aufgegeben und die zwei finden sich, nicht nur wegen Pauls schöner Hände. Mir gefallen sonst geradlinige Bücher, ohne grosse Schnörkel. Aber hier ist die Art, wie die Geschichte erzählt wird, fast wichtiger, als die Geschichte selbst. Man muss sich ein wenig hineingeben in diese üppigen Beschreibungen. Es lohnt sich. Eine etwas andere (vielleicht sehr französische) Art, eine etwas andere Liebesgeschichte zu erzählen.

Liebe, Partnerschaft, Frankreich Auvergne

Tayari Jones : Das zweitbeste Leben

Sara, 3. November 2020

Zwei Familien, zwei Töchter in der gleichen Stadt: Chaurisse, die richtige Tochter und Dana, das grosse Geheimnis. James versucht verzweifelt beiden Mädchen ein guter Vater zu sein und vorallem sollen sie sich voneinander fernhalten. Doch mit vierzehn laufen sie sich scheinbar zufällig über den Weg.

Was wird passieren, wenn sein Geheimnis auffliegt?

 

Eine verzwickte Geschichte zweier Familien, die nicht voneinander wissen sollten. Mit dem Thema "people of color", das im Roman immer wieder vorkommt, hat Tayari Jones ein sehr aktuelles Thema angeschnitten.

 

Aktuell, interessant, realistisch und ein aufregendes und spannendes Buch.

Familienkonflikt, Gesellschaft, Rassismus, USA Georgia

Ragnar Jònasson : Dunkel (1) / Insel (2)  / Nebel (3)

Ursula, 3. November 2020

Kommen Sie bei dieser Trilogie mit nach Island. In das eher triste und ernüchternde Leben der Ermittlerin Hulda Hermannsdóttir. Beim Lesen sollte man mit dem zeitlich gesehen letzten Buch «Dunkel» starten. Um eins vorneweg zu nehmen: Dinge, die hier nicht gelöst werden, finden ihre Lösung auch nicht in den anderen zwei Büchern. Denn diese spielen in der Zeit davor. Aber, genau das Rückwärtslesen macht diese Thriller-Trilogie interessant. Man könnte die Bücher auch umgekehrt lesen, aber nein, der Autor hat sich schon etwas dabei gedacht. So erlebt man das Leben und Schaffen von Hulda sehr intensiv und clever aufgebaut. Wer anfängt, wird im Nu durchlesen bis zum Schluss…oder eben…bis zum Anfang.

Thriller

Charlotte McConaghy : Zugvögel

Karin, 2. November 2020

Der Roman spielt in einer nahen Zukunft. Bedrohlich steigen die Temperaturen weiter an. Die Tierwelt steht vor der Auslöschung. Franny, eine eigensinnige und rastlose Ornithologin beschliesst die letzten Küstenseeschwalben auf ihrem Weg von Grönland in die Antarktis zu begleiten. Dazu heuert sie an auf einem der letzten Fischkutter. Die ruppige Crew ist nicht begeistert, aber wo Vögel sind, sind auch Fische…

Während sich das Schiff immer weiter von der Zivilisation entfernt, enthüllt sich Frannys eigene traumatische Vergangenheit und der wahre Grund dieser Reise.

Eine herzzerreissende Geschichte, melancholisch und spannend – mit viel interessante Charakteren. Ich habe vor allem die Schiffscrew geliebt: Basil, der leidenschaftliche Koch, Lea, die französische Mechanikerin, Ennis, der Kapitän, Samuel, die freundliche Vaterfigur, …

Fazit:  Ein eindrucksvolles Debüt.

Abenteuer, Reisen, Umwelt, Natur

Fabio Geda : Ein Sonntag mit Elena 

Ursula, 2. November 2020

Ein Mann, Vater, Grossvater, Wittwer

Dieser Mann kocht ein Mittagessen für den Besuch seiner Familie anhand der Notizen im Kochbuch seiner verstorbenen Frau. Gekocht hat er bisher eigentlich noch nie. Ich konnte die feinen gefüllten Zwiebeln direkt riechen.

Leider wird aus dem Besuch nichts, ein Unfall kommt dazwischen. Beim Spaziergang zum Skaterpark begegnet der Mann einer Frau mit einem ihrem Sohn. Und so ergibt sich unverhofft ein Sonntag mit Elena.

Die Geschichte wird in wundervoller Art von seiner Tochter erzählt. Obwohl die Begegnung mit Elena nur kurz war, hinterlässt sie intensive Spuren, bei ihm, bei ihr, bei der ganzen Familie.

Das Leben, schön, tragisch, kompliziert, einfach…in wunderbaren Worten so schön berichtet. Fabio Geda ist hier ein wahres Herzensbuch gelungen.  Video abspielen

Mann, Alter, Lebenserfahrung

 

Garry Disher : Hope Hille Drive

Karin, 2. November 2020

Constable Paul Hirschhausen, "Hirsch" genannt, wurde nach einem Polizeiskandal in Adelaide auf einen Ein-Mann-Posten im trostlosen Outback versetzt. Die Landschaft ist karg und trocken und es ist heiss. Für die Einwohner von Tiverton gibt es wenig Perspektiven und noch weniger Abwechslung. Einbruch, Diebstahl, gelegentliche Trunkenheitsdelikte, viel mehr hat Hirsch eigentlich nicht zu regeln, bis an Weihnachten ein übles Massaker an Ponys verübt wird und im Internet ein Bild einer Frau, die ihr Kleinkind bei Gluthitze im Auto gelassen hatte, auftaucht. Kurz darauf ist sie tot.

Spannend, bis zur letzten Seite werden Fäden aus Vergangenheit und Gegenwart zusammengefügt.

Ich mag Dishers detailreiche Atmosphäre des Outbacks, seine authentischen Figuren und vor allem den meisterlichen Krimiplot.

Krimi, Australien

Victoria Mas : Die Tanzenden

Rahel, 2. November 2020

Paris, 1880. Zu Beginn lernt man Eugénie kennen, eine junge Frau aus besserem Hause. Sie kümmert sich rührend um Ihre Grossmutter, kann aber ihrem Vater nie etwas recht machen. 

In der psychiatrischen Anstalt der Stadt lebt Louise, ein Mädchen, das scheinbar von Sinnen ist. Sie leidet an Hysterie, hat Anfälle und wird von den Ärzten oft zu ‘Vorstellungen’ auf die Bühne geholt.

In der Salpêtrière arbeitet Geneviève als oberste Krankenschwester. Sie ist organisiert und hat scheinbar sich selbst und die Patientinnen bestens im Griff.

Die Schicksale der drei Frauen verbinden sich, als Eugénie durch ihren Vater und Bruder gegen ihren Willen in die Salpêtrièrie eingeliefert wird.

Die Autorin beschreibt die Schicksale von Frauen, welche nicht der ‘Norm’ entsprechen und einfach weggesperrt wurden, von Männern, welche die Macht über das Leben ihrer weiblichen Familienangehörigen ausübten. Während dem Lesen verspürt man Wut, aber auch Dankbarkeit, dass solche Machenschaften heute nicht mehr denkbar sind. 

Obwohl das Thema aus meiner Sicht nicht leicht verdaulich ist, kommt der Roman flüssig und kurzweilig daher. 

Historisches 19 Jhd., Frau und Gesellschaft, Psych. Krankheit

Elke Heidenreich : Männer in Kamelhaarmänteln

Karin, 2. November 2020

„Wir vergessen die Namen, die Geschichten, aber fast nie vergessen wir die Kleider.“ – Die große Erzählerin Elke Heidenreich über die schönste Nebensache der Welt.

Wenn Elke Heidenreich von Kleidern erzählt, dann erzählt sie vom Leben selber: von sich mit sechzehn, von Freundinnen und Freunden, von Liebe und Trennung, erzählt Geschichten, komisch und traurig wie nur sie es kann, in denen jeder sich wiedererkennt: sei‘s in ausgeleierten Jeans, sei’s in der wunderbaren Bluse, die schon keine Farben mehr hat, oder schlimmstenfalls im Kamelhaarmantel.

Selten haben mich Kurzgeschichten so amüsiert. Lesen!

Kurzgeschichten, Biografisches, Gesellschaft

 

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